Die Ausrufung des Klima-Notstands* …

* oder des Klima-Notfalls, wie manche lieber sagen

Grafikquelle: http://blogs.reading.ac.uk/climate-lab-book/files/2017/05/zmALL.gif; Autor: Ed Hawkins; Bearbeitung: Horst Emse

… die Ausrufung des Klima-Notstands – z. B. im Namen von Kommunen – ist zunächst nur die Betonung der absoluten Dringlichkeit, effektive Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen. Ohne den Faktor „anthropogene CO2-Emissionen“ ist die (erdgeschichtlich) rasante Temperaturerhöhung nicht zu erklären – auch nicht von den Leugnern des menschlichen Einflusses. Deshalb:

„Wir haben verstanden, dass wegen der Höhe der schon erreichten atmosphärischen CO2-Konzentration mit deutlich erkennbaren Folgen umgehend konsequente Bemühungen zur Reduzierung von CO2-Emissionen auch in unserer Kommune erforderlich sind. Diese Einsicht muss so schnell wie möglich in ökologisch vertretbares, schon bald zu vollständiger Klimaneutralität führendes Handeln umgesetzt werden.“

So, wie der Ton einer Sirene kein Feuer löscht, sondern „nur“ ein Alarmsignal ist, das zu sofortigen Maßnahmen ruft, ist die Proklamation des Klima-Notfalls „nur“ ein Warnruf, das Klimaproblem jetzt endlich vor Ort und in der großen Politik so ernst zu nehmen wie den Alarm, dass ein Haus brennt.

Die Proklamation bedeutet aber noch mehr: Ihre Grundlage sind die eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse und daraus abgeleiteten Prognosen zu den – inzwischen schon gemessenen und beobachtbaren – Folgen der wachsenden CO2-Konzentration in der Luft. Deshalb wird zugleich mit der Ausrufung des Notfalls der Maßstab für die Ausarbeitung eines kommunalen Klima-Schutzplans definiert: Der Plan muss so schnell wie möglich – als örtlicher Beitrag zu globalem Handeln – zu radikaler Reduktion von CO2-Emissionen und zur Kompensierung (noch) nicht vermiedener Emissionen führen, also zu klimaneutralem Handeln. Die Einsicht, dass sich die Lebensbedingungen überall auf der Erde schon bald, spätestens für die nachfolgenden Generationen, mit bedrohlichen Auswirkungen verändern werden, wenn die weitere Erhöhung der Konzentration von CO2 in der Luft nicht schleunigst gestoppt wird, wird es leichter machen, bei Entscheidungen über Einzelmaßnahmen des Schutzplans nicht vor möglichen finanziellen Konsequenzen zurückzuschrecken.

Für die Bürger, Organisationen, Betriebe u. ä. der Kommune wird die Ausrufung des Klima-Notfalls und die damit verbundene Ausarbeitung eines Klima-Schutzprogramms eine Ermunterung sein, das Handeln im eigenen Verantwortungsbereich ebenfalls schnellstmöglich klimaneutral zu stellen.

Eigentlich müssten die Vereinten Nation im Namen aller Länder der Welt den Klima-Notstand ausrufen oder die Bundesregierung müsste es aus Sicht von Deutschland tun. Aber die relative Erfolglosigkeit der globalen Klimaschutzbemühungen seit der ersten Weltklimakonferenz in Genf 1979 macht deutlich: Es braucht mehr Handlung an der Basis. Effektiver Klimaschutz gelingt nur, wenn jeder Bürger, jede Organisation, jede Kommune, jedes Land das Problem endlich ernstnimmt und sich konsequent um eine Energienutzung ohne Gefährdung der Klimastabilität bemüht.

Die Kinder und Kindeskinder der Kommune werden ihren Eltern für das – zwar späte, aber nun umso konsequentere – Klimaschutzhandeln dankbar sein.