Den Klimanotstand ausrufen !

Ist Ihnen bewusst, dass

die durchschnittliche globale Oberflächentemperatur der Erde zu Beginn des menschlichen Ackerbaus nur rd. 4 Grad höher war als die Temperatur gegen Ende der letzten Eiszeit?   Vgl. die 3./4. Grafik auf der Seite Folgen.
Das bedeutet: Wenn die Weltgemeinschaft den Anstieg der atmosphärischen CO2-Konzentrationserhöhung nicht schnellstens stoppt, wird – so, wie die Warmzeit auf die Eiszeit folgte – der Übergang von der Warmzeit in eine für Menschen noch nie dagewesene Heißzeit erfolgen (Problem Kipppunkte, s. Handlungsanregung. Der Beginn ist schon spürbar, und die Entwicklung wird viel schneller verlaufen als die 10.000-jährige Parallelentwicklung des CO2-Konzentrationsanstiegs und der Temperatur von der Eiszeit zur Warmzeit, vgl. Problem: CO2-Konzentration. Spätestens bei Überschreitung der 2°C-Grenze wird sich mit der gleichen Sicherheit eine Heißzeit (globale Erwärmung um 3 oder 4 oder noch mehr Grad) einstellen – nur eben wegen anhaltend massenhaft von Menschen verursachter CO2-Emissionen viel, viel schneller.
Unsere Kindeskinder werden es erleben (müssen). Das ist ein notwendiger Schluss aus rückblickenden Erkenntnissen und schon messbaren Ereignissen:

Klimanotstand: Temperaturveraenderungen - beobachtet, prognostiziert - 1860-2050

Grafikquelle: http://blogs.reading.ac.uk/climate-lab-book/files/2017/05/zmALL.gif; Autor: Ed Hawkins; Bearbeitung: Horst Emse

Den Klimanotstand auszurufen, ist daher mehr als berechtigt. Es ist ein dringend nötiger Alarmruf: Die im Computer-Modell (Pfad RCP4.5) prognostizierte Temperaturentwicklung von 1860-2016 und die tatsächlich gemessene Erwärmung (s. obige Grafik) stimmen sehr weitgehend überein. Der Modellrechnung lag als Basis insbesondere die Annahme zugrunde, dass die Konzentrationserhöhung und die Erwärmung direkt (wenn auch mit Verzögerung) aneinander gekoppelt sind. Deshalb ist die in gleicher Weise berechnete Prognose für die Zeit 2016-2050 höchst alarmierend.

… Klimanotstand – für Sie alles nur Panikmache?

Wie beurteilen dann Sie die folgenden wissenschaftlichen Messwerte?: Die Zunahme der CO2-Konzentration in der Luft vom Höhepunkt der letzten großen Eiszeit (vor ca. 20.000 Jahren) bis zu ihrem Ende nach ca. 10.000 Jahren betrug rd. 100 ppm. In etwa genauso hoch war die Zunahme in nur 60(!) Jahren von 1958 bis 2018. Die obige Grafik zeigt, welcher Temperaturanstieg ohne entsprechendes schnellstes Handeln bis 2050 zu erwarten ist. Und das Ausmaß ist höchst bedrohlich.
(Näheres zum zeitlichen Zusammenhang von erhöhter atmosphärischer CO2-Konzentration und globaler Erwärmung finden Sie auf der Seite Folgen. Durch die dortige Animation der obigen Grafik wird die parallele Entwicklung der beiden Aspekte deutlich.)


Die Ausrufung des Klimanotstands ist deshalb ein Bekenntnis mit folgendem Inhalt:

„Wir haben Folgendes verstanden: Als Folge der schon erreichten atmosphärischen CO2-Konzentration sind bereits bedrohliche Folgen deutlich erkenn- und messbar. Deshalb müssen die laufenden CO2-Emissionen schnellstens drastisch reduziert werden. Diese Einsicht muss so schnell wie möglich zu ökologisch vertretbarem, schon bald zumindest netto-klimaneutralem Handeln führen. Und zwar bei Jedermann, jeder Kommune, jedem Unternehmen…“

Die Ausrufung “Klimanotstand” ist zudem ein Alarmruf zu schnellem und effektivem Handeln

Selbstverständlich löscht der Ton einer Sirene kein Feuer. Er ist „nur“ ein Alarmsignal ist, das zu sofortigen Maßnahmen ruft. Ebenso ist die Beteiligung an der Proklamation des Klimanotstands „nur“ ein Warnruf. Mit ihm soll erreicht werden, dass das Klimaproblem jetzt endlich vor Ort und in der großen Politik so ernst genommen wird wie der Alarm, dass ein Haus brennt.

Und die Ausrufung des Klimanotstands bedeutet noch mehr: Sie steht auf der Grundlage eindeutiger wissenschaftlicher Erkenntnisse und den daraus abgeleiteten Prognosen zu den Folgen der wachsenden CO2-Konzentration in der Luft. Deshalb definiert die Ausrufung zugleich den Maßstab für die Ausarbeitung eines kommunalen Klima-Schutzplans : Als örtlicher Beitrag zu globalem Handeln muss der Plan so schnell wie möglich zu radikaler Reduktion von CO2-Emissionen und zur Kompensierung (noch!) nicht vermiedener Emissionen führen. Dringend nötig ist zumindest netto-klimaneutrales Handeln. Denn wenn die weitere Erhöhung der Konzentration von CO2 in der Luft nicht schleunigst gestoppt wird, werden sich die Lebensbedingungen überall auf der Erde in wenigen Jahrzehnten bedrohlich verändern. Diese Einsicht wird es leichter machen, bei Entscheidungen über Einzelmaßnahmen eines Klima-Schutzplans nicht vor möglichen finanziellen bzw. wirtschaftlichen Konsequenzen zurückzuschrecken. Den Klimanotstand ausrufen heißt, sich in diesem Sinn zu engagieren.

Kommunen beschließen, sich der Ausrufung des Klimanotstands anzuschließen

Für die Bürger, Organisationen, Betriebe u. ä. einer Kommune wird die Ausrufung des Klimanotstands und die damit verbundene Ausarbeitung eines Klima-Schutzprogramms eine Ermunterung sein, das Handeln im eigenen Verantwortungsbereich ebenfalls schnellstmöglich klimaneutral zu stellen.

Vielleicht denken Sie: „Die Sache mit dem CO2 ist ein globales Problem, das weltweit politisch auf Regierungsebene gelöst werden muss. Was bringt es schon, wenn ich, wenn nur wir – als Familie, Organisation, Kommune, Land – unser Verhalten ändern?“ Ja, unser Beitrag als Einzelne zum Abbau des Problems ist – global betrachtet – konkret weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber das Signal ist von großem Gewicht. Eine Forderung nach endlich konsequentem und effektivem Klimaschutz ohne entsprechendes freiwilliges Tun dessen, was jederfrau/jedermann schon jetzt möglich ist, ist unglaubwürdig.

Unsere Kinder und Kindeskinder  werden uns für das – zwar späte, aber nun hoffentlich umso konsequentere – Klimaschutzhandeln dankbar sein.

Viele Kommunen beteiligen sich bereits an der Ausrufung des Klimanotstands

Offener Brief vom 01.07.2019 an den Krefelder Stadtrat aus Anlass der geplanten Beschlussfassung zum Thema Klimanotstand. (Der Krefelder Stadtrat z. B. hat am 4.7. die Beteiligung an der Ausrufung “globaler Klimanotstand /-notfall” beschlossen. Ein entsprechendes Handlungskonzept mit dem Namen KrefeldKlima 2030 soll noch in diesen Jahr fertig und in Kraft gesetzt werden.)

Wachsende Liste von Kommunen in NRW, anderen Bundesländern und anderen Staaten, in denen die Ausrufung des Klimanotstands diskutiert oder schon erfolgt ist (erstellt von www.klimabuendnis-hamm.de).