Die Ausrufung des Klima-Notstands* …

* oder des Klima-Notfalls, wie manche lieber sagen

Grafikquelle: http://blogs.reading.ac.uk/climate-lab-book/files/2017/05/zmALL.gif; Autor: Ed Hawkins; Bearbeitung: Horst Emse

alles nur Panikmache?

Wie beurteilen Sie denn dann die folgenden wissenschaftlichen Messwerte?: Die Zunahme der CO2-Konzentration in der Luft vom Höhepunkt der letzten großen Eiszeit (vor ca. 20.000 Jahren) bis zu ihrem Ende nach ca. 10.000 Jahren war – relativ betrachtet – in etwa genauso hoch wie die Zunahme in nur 60 Jahren von 1958 bis 2018. Schauen Sie dazu ‘mal auf dieser Website, Seite Problem, die 3. Grafik an. Und beachten Sie hinsichtlich der Auswirkung dieser aktuellen Entwicklung auf die globale Durchschnittstemperatur bei einem “business as usual” bis 2050 und bis 2100 die Animation der oben stehenden Grafik auf der Seite Folgen.

Die Ausrufung des Klimanotstands ist deshalb ein Bekenntnis mit folgendem Inhalt:

„Wir haben verstanden, dass wegen der Höhe der schon erreichten atmosphärischen COKonzentration mit deutlich erkennbar bedrohlichen Folgen umgehend konsequente Bemühungen zur Reduzierung von CO2-Emissionen erforderlich sind. Diese Einsicht muss so schnell wie möglich bei Jedermann, jeder Kommune, jedem Unternehmen … zu ökologisch vertretbarem, schon bald wenigstens netto-klimaneutralem Handeln führen.“

So, wie der Ton einer Sirene kein Feuer löscht, sondern „nur“ ein Alarmsignal ist, das zu sofortigen Maßnahmen ruft, so ist die Proklamation des Klima-Notfalls „nur“ ein Warnruf, das Klimaproblem jetzt endlich vor Ort und in der großen Politik so ernst zu nehmen wie den Alarm, dass ein Haus brennt.

Die Proklamation bedeutet aber noch mehr: Ihre Grundlage sind die eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse und daraus abgeleiteten Prognosen zu den – inzwischen schon gemessenen und beobachtbaren – Folgen der wachsenden CO2-Konzentration in der Luft. Deshalb wird zugleich mit der Ausrufung des Notfalls der Maßstab für die Ausarbeitung z. B. eines kommunalen Klima-Schutzplans definiert: Der Plan muss so schnell wie möglich – als örtlicher Beitrag zu globalem Handeln – zu radikaler Reduktion von CO2-Emissionen und zur Kompensierung (noch) nicht vermiedener Emissionen führen, also zu klimaneutralem Handeln. Wenn die weitere Erhöhung der Konzentration von CO2 in der Luft nicht schleunigst gestoppt wird, werden sich die Lebensbedingungen überall auf der Erde schon bald, spätestens für die nachfolgenden Generationen, mit bedrohlichen Auswirkungen verändern.  Die Einsicht wird es leichter machen, bei Entscheidungen über Einzelmaßnahmen eines Klima-Schutzplans nicht vor möglichen finanziellen bzw. wirtschaftlichen Konsequenzen zurückzuschrecken.

Für die Bürger, Organisationen, Betriebe u. ä. einer Kommune wird die Ausrufung des Klima-Notstands und die damit verbundene Ausarbeitung eines Klima-Schutzprogramms eine Ermunterung sein, das Handeln im eigenen Verantwortungsbereich ebenfalls schnellstmöglich klimaneutral zu stellen.

Vielleicht denken Sie: „Die Sache mit dem CO2 ist ein globales Problem, das weltweit politisch auf Regierungsebene gelöst werden muss. Was bringt es schon, wenn ich, wenn nur wir – als Familie, Organisation, Kommune, Land – unser Verhalten ändern?“ Ja, unser Beitrag als Einzelne zum Abbau des Problems ist konkret – global betrachtet – weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber das Signal ist von großem Gewicht. Eine Forderung nach endlich konsequentem und effektivem Klimaschutz ohne entsprechendes freiwilliges Tun dessen, was jeder/jedem schon jetzt möglich ist, ist unglaubwürdig.

Unsere Kinder und Kindeskinder  werden ihren Eltern für das – zwar späte, aber nun umso konsequentere – Klimaschutzhandeln dankbar sein.

Offener Brief vom 01.07.2019 an den Krefelder Stadtrat aus Anlass der geplanten Beschlussfassung zum Thema Klimanotstand. (p.s.: Der Krefelder Stadtrat hat am 4.7. die Beteiligung an der Ausrufung “globaler Klimanotstand” beschlossen. Ein entsprechendes Handlungskonzept mit dem Namen “KrefeldKlima 2030” soll bis November dieses Jahres in Kraft gesetzt werden.)

Wachsende Liste von Kommunen in NRW, anderen Bundesländern und anderen Staaten, in denen die Ausrufung des Klimanotstands diskutiert oder schon erfolgt ist (erstellt von www.klimabuendnis-hamm.de).