Den Klimanotstand ausrufen!

Den Klimanotstand auszurufen bedeutet, ist mehr als berechtigt. Es ist ein dringend nötiger Alarmruf. Die Begründung dafür lautet: Die Annahme eines Zusammenhangs zwischen der Erhöhung der CO2-Konzentration und der globalen Erwärmung hat sich klar bestätigt. Denn die auf Basis dieser Annahme im Modell prognostizierte Temperaturentwicklung von 1860-2016 und die tatsächlich gemessene Erwärmung stimmen sehr weitgehend überein. Deshalb ist die in gleicher Weise berechnete Prognose für die Zeit 2016-2050 höchst alarmierend, s. folgende Grafik:

Klimanotstand: Temperaturveraenderungen - beobachtet, prognostiziert - 1860-2050

Grafikquelle: http://blogs.reading.ac.uk/climate-lab-book/files/2017/05/zmALL.gif; Autor: Ed Hawkins; Bearbeitung: Horst Emse

… Klimanotstand – für Sie alles nur Panikmache?

Wie beurteilen dann Sie die folgenden wissenschaftlichen Messwerte?: Die Zunahme der CO2-Konzentration in der Luft vom Höhepunkt der letzten großen Eiszeit (vor ca. 20.000 Jahren) bis zu ihrem Ende nach ca. 10.000 Jahren betrug rd. 100 ppm. In etwa genauso hoch war die Zunahme in nur 60(!) Jahren von 1958 bis 2018. Die obige Grafik zeigt, welcher Temperaturanstieg ohne entsprechendes schnellstes Handeln bis 2050 zu erwarten ist. Und das Ausmaß ist höchst bedrohlich. (Näheres zum zeitlichen Zusammenhang von erhöhter atmosphärischer CO2-Konzentration und globaler Erwärmung finden Sie auf der Seite Folgen. Durch die dortige Animation der obigen Grafik wird die parallele Entwicklung der beiden Aspekte deutlich.)


Die Ausrufung des Klimanotstands ist deshalb ein Bekenntnis mit folgendem Inhalt:

„Wir haben Folgendes verstanden: Als Folge der schon erreichten atmosphärischen COKonzentration sind bereits bedrohliche Folgen deutlich erkenn- und messbar. Deshalb müssen die laufenden CO2-Emissionen schnellstens drastisch reduziert werden. Diese Einsicht muss so schnell wie möglich zu ökologisch vertretbarem, schon bald zumindest netto-klimaneutralem Handeln führen. Und zwar bei Jedermann, jeder Kommune, jedem Unternehmen…“

Die Ausrufung “Klimanotstand” ist zudem ein Alarmruf zu schnellem und effektivem Handeln

Selbstverständlich löscht der Ton einer Sirene kein Feuer. Er ist „nur“ ein Alarmsignal ist, das zu sofortigen Maßnahmen ruft. Ebenso ist die Beteiligung an der Proklamation des Klimanotstands „nur“ ein Warnruf. Mit ihm soll erreicht werden, dass das Klimaproblem jetzt endlich vor Ort und in der großen Politik so ernst genommen wird wie der Alarm, dass ein Haus brennt.

Und die Ausrufung des Klimanotstands bedeutet noch mehr: Sie steht auf der Grundlage eindeutiger wissenschaftlicher Erkenntnisse und den daraus abgeleiteten Prognosen zu den Folgen der wachsenden CO2-Konzentration in der Luft. Deshalb definiert die Ausrufung zugleich den Maßstab für die Ausarbeitung eines kommunalen Klima-Schutzplans : Als örtlicher Beitrag zu globalem Handeln muss der Plan so schnell wie möglich zu radikaler Reduktion von CO2-Emissionen und zur Kompensierung (noch!) nicht vermiedener Emissionen führen. Dringend nötig ist zumindest netto-klimaneutrales Handeln. Denn wenn die weitere Erhöhung der Konzentration von CO2 in der Luft nicht schleunigst gestoppt wird, werden sich die Lebensbedingungen überall auf der Erde in wenigen Jahrzehnten bedrohlich verändern. Diese Einsicht wird es leichter machen, bei Entscheidungen über Einzelmaßnahmen eines Klima-Schutzplans nicht vor möglichen finanziellen bzw. wirtschaftlichen Konsequenzen zurückzuschrecken. Den Klimanotstand ausrufen heißt, sich in diesem Sinn zu engagieren.

Kommunen beschließen, sich der Ausrufung des Klimanotstands anzuschließen

Für die Bürger, Organisationen, Betriebe u. ä. einer Kommune wird die Ausrufung des Klimanotstands und die damit verbundene Ausarbeitung eines Klima-Schutzprogramms eine Ermunterung sein, das Handeln im eigenen Verantwortungsbereich ebenfalls schnellstmöglich klimaneutral zu stellen.

Vielleicht denken Sie: „Die Sache mit dem CO2 ist ein globales Problem, das weltweit politisch auf Regierungsebene gelöst werden muss. Was bringt es schon, wenn ich, wenn nur wir – als Familie, Organisation, Kommune, Land – unser Verhalten ändern?“ Ja, unser Beitrag als Einzelne zum Abbau des Problems ist – global betrachtet – konkret weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber das Signal ist von großem Gewicht. Eine Forderung nach endlich konsequentem und effektivem Klimaschutz ohne entsprechendes freiwilliges Tun dessen, was jederfrau/jedermann schon jetzt möglich ist, ist unglaubwürdig.

Unsere Kinder und Kindeskinder  werden uns für das – zwar späte, aber nun hoffentlich umso konsequentere – Klimaschutzhandeln dankbar sein.

Viele Kommunen beteiligen sich bereits an der Ausrufung des Klimanotstands

Offener Brief vom 01.07.2019 an den Krefelder Stadtrat aus Anlass der geplanten Beschlussfassung zum Thema Klimanotstand. (Der Krefelder Stadtrat z. B. hat am 4.7. die Beteiligung an der Ausrufung “globaler Klimanotstand /-notfall” beschlossen. Ein entsprechendes Handlungskonzept mit dem Namen KrefeldKlima 2030 soll noch in diesen Jahr fertig und in Kraft gesetzt werden.)

Wachsende Liste von Kommunen in NRW, anderen Bundesländern und anderen Staaten, in denen die Ausrufung des Klimanotstands diskutiert oder schon erfolgt ist (erstellt von www.klimabuendnis-hamm.de).