lie Herausforderung lautet: Klimaneutral handeln

Es muss dringendst umfassend klimaneutral gehandelt werden, denn es ist schon bald zu spät, um dauerhafte Störungen im Erdsystem zu verhindern. Sonst ist schon in wenigen Jahren das Polarmeer in der Sommerzeit eisfrei. Die Rückstrahlung der Sonnenwärme fehlt dann durch das weiße Eis und das Meer erwärmt sich zunehmend, sodass erneute Eisbildung immer weniger geschieht. Die Temperatur in der Region steigt, sodass das grönländische Landeis ebenso schmilzt. Auch das Land bekommt dann eine dunklere Oberfläche und sich erwärmt. Das treibt den Prozess voran – nicht morgen, aber in der Zeit von wenigen Generationen. Da wärmeres Wasser ein größeres Volumen hat, denen sich die Ozeane aus. Zusammen mit dem Zufluss des Schmelzwassers könnte nach Erwartung der Wissenschaftler der Meeresspiegel um bis zu 8 Metern erhöhen.

Ganz besonder wegen der Gefahr des  Umkippens von Elementen im Erdsystem ist die Ausrufung des Kimanotstands alles andere als Panikmache!

Kipppunkte (tipping points)

Ohne klimaneutrales Handeln können durch einen ständigen weiteren Anstieg der Oberflächentemperatur der Erde in vielen Gegenden Entwicklungen zu nicht mehr umkehrbaren Verhältnissen an sogenannten Kipppunkten (tipping points) im Erdsystem in Gang kommen. Ähnlich, wie es womöglich schon sehr bald in der Arktis geschieht, wenn wegen zu warmem Meerwasser die Eisschmelze unaufhaltbar geworden ist und wenn arktische Dauerfrostböden in Sibirien und Nordamerika beim Auftauen riesige Mengen an Kohlenstoffdioxid und Methan freisetzen; vgl. die Seite Folgen. Methan ist 25-mal so klimaschädlich wie CO2 (Der unheimliche Anstieg der Methan-Konzentration). Die Erhöhung des Anteils von Methan in der Atmosphäre wird der Klimaerwärmung zusätzlichen Antrieb geben.

Kippelemente (tipping points) im Erdsystem

Klimaneutral handeln, weil mindestens einer von 17 tipping points im Erdsystem umzukippen drohen, d.h.: in einen nicht mehr rueckholbaren Zustand zu wechseln. Der Kipppunkt ist die Arktis, die fuer immer eisfrei zu werden droht, wenn es dort kein bestaendiges Meereis mehr gibt. Das erfordert allerschnellstes Handeln.

Noch sind es nur Befürchtungen, aber …

Noch sind drastisch spürbare Entwicklungen – nur – Befürchtungen, aber die Anzeichen mehren sich, dass sie wahr werden könnten. Die schlimmsten Befürchtungen werden mit Sicherheit Realität werden, wenn die Menschheit nicht schnellstens klimaneutral handelt, also die Freisetzung weiterer Treibhausgase stoppt und der Natur durch massive Aufforstungen hilft, die erreichte zu hohe Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre wieder zu reduzieren. Dass das bzgl. von CO2 biotisch (und mit vielen postiven Nebeneffekten) möglich ist, ist in der Klimadiskussion seit Jahrzehnten bekannt. Es ist höchste Zeit zum Handeln. Seit der ersten Weltklimakonferenz im Jahr 1979 ist unglaublich viel Zeit ohne hinreichende Konsequenzen vergangen. Jetzt ist es nötig, eher heute als morgen klimaneutral zu handeln! Es ist richtig, dass sehr schnell wirtschaftliche Interessen dem Ziel, Klimaneutralität für den eigenen Verantwortungsbereich zu erreichen,  entgegenstehen. Aber angesichts der enormen Bedeutung der Bekämpfung einer zu starken klimatischen Erwärmung muss der Klimaschutz höher eingestuft werden als jenes Interesse!


Die Kommunen sollten durch eigenes effektives Handeln ihre Bürger zum Mitmachen ermutigen

Die Erklärung des Klimanotstandes durch eine Kommune bedeutet angesichts der geschilderten Fakten eine Selbstverpflichtung der Kommune und der in ihr lebenden und arbeitenden Menschen, in den eigenen Verantwortungsbereichen dem Bemühen um nicht länger klimaschädigendes Verhalten höchste Priorität einzuräumen.

Es gibt grundsätzlich nur zwei Optionen

CO2-Emissionen vermeiden

stopp

Da der Anstieg der atmosphärischen CO2-Konzentration so schnell wie möglich gestoppt werden muss, ist der erste Handlungsweg zu klimaneutralem Handeln selbstverständlich die Vermeidung weiterer zusätzlicher CO2-Emissionen. Wäre das von heute auf morgen möglich, wäre dies der Königsweg. Aber der Weg braucht Zeit, die bis zur Erreichung der maximal (vielleicht) tolerierbaren Erwärmung um 1,5°C – wahrscheinlich in wenigen Jahren – kaum noch zur Verfügung steht: Die Ursache der klimaschädigenden CO2-Emissionen, die intensive Nutzung fossiler Energieträger, kann im nötigen Ausmaß nicht (mehr!) rechtzeitig in der nötigen Konsequenz durch die Nutzung ökologisch verträglicher Energiequellen abgestellt werden. Jedes Jahr Verzögerung verschärft die Problematik und macht den Eintritt unumkehrbarer Folgen für die Natur und unsere Lebensbedingungen wahrscheinlicher.

Nicht vermiedene CO2-Emissionen kompensieren

Der zweite Weg ist die Kompensation von Emissionen. Technische Kompensation bedeutet die Unterstützung von Vermeidung einer entsprechenden CO2-Menge an anderem Ort; biotische Kompensation ist die “Entsorgung” von CO2 durch zusätzliche Aufforstung. Die bestehenden Wälder haben der Luft 2018 29 % der globalen CO2-Emissionen entzogen, vgl. Folgen. Bei Nutzung hochwertig zertifizierten Aufforstungsprojekte ist dies die kostengünstigste Option zur Erreichung von Klimaneutralität – mit wünschenswerten ökologischen Nebeneffekten: Man finanziert die Aufforstung einer Fläche, die so bemessen ist, dass eine bestimmte Menge an CO2 innerhalb von rd. 10 Jahren vom zusätzlichen Wald absorbiert wird oder man kauft – wie bei allen Kompensationsprojekten – CO2-Zertifikate, durch welche eine bereits erfolgte biotische Kompensation der entsprechenden CO2-Menge bestätigt wird und bezahlt damit zugleich eine entsprechende weitere neue Aufforstung. Nach dem Kauf werden die Zertifikate in einem Register stillgelegt, sodass sich kein Zweiter dieselbe CO2-Kompensation anrechnen lassen kann.

Foto: WDR/dpa/Sönke Maier

Foto: Horst Emse

Kompensation ist kein dauerhafter Ersatz für Emissionsvermeidung

Weder Kompensation noch Aufforstung ersetzen langfristig die Notwendigkeit der konsequenten Emissionsvermeidung. Aber beide Ansätze verschaffen einen zeitlichen Spielraum für umfassendes klimaneutrales Handeln und den Umstieg auf ökologisch vertretbare Energieträger, ohne in der für den Umstieg noch benötigten Zeit das Klimaproblem durch nicht vermiedene CO2-Emissionen weiter zu verschärfen.

Gegen Aufforstung zur CO2-Kompensation wird manchmal eingewendet, dass der Kohlenstoff (C) aus dem emittierten CO2, der zur Entsorgung in Bäumen gespeichert wird, bei Zerstörung oder Tod der Bäume letzlich doch wieder in die Luft geraten wird. Das ist zwar grundsätzlich richtig, trifft aber auch schon immer für den gesamten globalen Waldbestand zu, der dennoch Jahr für Jahr Milliarden Tonnen CO2 absorbiert. Die einzige richtige Folgerung, die man aus der kritischen Bemerkung ableiten muss, ist, dass für zur CO2-Kompensation aufgeforstete Wälder alles nur Mögliche getan werden muss, um ihre Substanz auch in Zukunft zu erhalten – zumindest bis zur Erreichung der notwendigen drastischen Absenkung globaler CO2-Emission.

 

Die Kompensationskosten sind überschaubar

Klimaneutrales Handeln ist für relativ wenig Geld durch die Kombination beider Handlungswege kurzfristig erreichbar und für zumindest sehr viele Menschen fraglos zumutbar. S. CO2-Rechner : Je nach Finanzlage so viel wie möglich an CO2-Emissionen vermeiden und den (zumeist wohl eher recht großen) Rest technisch oder biotisch kompensieren. Kompensation ist kein Ablasshandel, vielmehr der einzig verantwortbare Weg, denn alle (noch nicht vermiedenen oder noch nicht vermeidbaren) nicht kompensierten Emissionen verstärken weiterhin den Klimawandel.